Digitale Transformation: Deutsche Großunternehmen noch zaghaft

Studie zur Digitalen Transformation (etventure)

Studie zur Digitalen Transformation (etventure)

Man könnte durchaus annehmen, dass die Digitalisierung als kritischer Faktor bei jedem Unternehmen angekommen sei. Und wer sich in dieser Frage nicht auf die derzeitige und künftige Situation einstelle, hätte im Wettbewerb künftig schlechte Karten.

Eine aktuelle Studie zeichnet aus Sicht der Großunternehmen ein anderes Bild: Der Digitalberatung etventure zufolge gaben nur sechs Prozent der 2.000 befragten Großunternehmen in Deutschland an, dass die Digitalisierung aus ihrer Sicht das wichtigstes Thema sei. Schauen wir mal genauer hin.

 

 

Bei meinem Recherchen zur digitalen Transformation im Automobilbereich bin ich auf eine interessante Studie von etventure gestoßen. Zugegeben: An den Namen musste ich mich erst etwas gewöhnen. etventure – mit kleinem „e“ am Anfang – ist ein schnell wachsendes und höchst erfolgreiches Beratungsunternehmen mit acht internationalen Standorten. Spezialisiert auf „das Gestalten des digitalen Wandels von Gesellschaft und Industrie“. Ein Bereich aus dem Leistungsportfolio von etventure sticht heraus: Das Geschäftsfeld „Startup-Building“ versteht sich als eine Art Verbindungselement zwischen Ideengebern und Investoren. Die Startups werden bei der Umsetzung ihrer Idee unterstützt – veredelt. Für Investoren aus dem etventure-Netzwerk eröffnen sich zudem qualitätsgesicherte Beteiligungschancen. Eine Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Clever. Nun zur Studie:

Stellenwert der digitalen Transformation (etventure-Studie 2016)

Stellenwert der digitalen Transformation (etventure-Studie 2016)

Unternehmensführung zum Handeln aufgefordert

Außer Acht gelassen wird die Digitalisierung dabei keinesfalls: Mit 35 Prozent gab ein gutes Drittel der Umfrageteilnehmer an, dass die digitale Transformation zu den drei wichtigsten Themen zähle; 43 Prozent wollten sie immerhin in die Top-Ten der Veränderungstreiber einordnen. Nur 16 Prozent gaben dem Thema eine letztlich geringe oder keine Relevanz. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage, welche Gründe zu dieser vergleichsweise geringen Priorisierung führten.

Dabei machte mit 48 Prozent der Befragten rund die Hälfte eine zu zaghafte Führung verantwortlich. Die Digitalisierung hat in der Regel Einfluss auf Entscheidungen auf allen Ebenen: „Die Digitale Transformation greift in sämtliche Prozesse und auch in die Kultur des Unternehmens ein“, konstatiert etventure-Geschäftsführer Philipp Depiereux. „Veränderungen mit dieser Tragweite können nur von der Unternehmensleitung durchgesetzt werden. Ohne die volle Rückendeckung der Chefetage kann Digitalisierung nicht funktionieren.“ Dazu passt die Einschätzung von 40 Prozent der Teilnehmer, dass „notwendige weitreichende und radikale Entscheidungen von den Führungskräften gescheut werden“ und man „zu festgefahren“ sei.

Auswirkung digitale Transformation auf Arbeitsplätze (etventure-Studie 2016)

Auswirkung digitale Transformation auf Arbeitsplätze (etventure-Studie 2016)

Fehlende Expertise eine Ursache

Der Problematik fehlender Entscheidungskompetenzen hat man sich bei etwa drei Viertel aller Unternehmen noch nicht angenommen: Hier wird der Wertewandel noch von der IT-Abteilung oder einer Unternehmensentwicklung gemanagt. Die Erklärung für den zaghaften Wandel konnte aber nicht nur in organisatorischen Problemen gefunden werden. Die „Verteidigung bestehender Strukturen“ wurde von 65 Prozent der Studienteilnehmer als eine zentrale Hürde genannt. 54 Prozent der Unternehmen gaben zudem Zeitmangel, 52 Prozent Erfahrungsmangel als Mitursachen an.

Größte Hürden bei der Digitalen Transformation (etventure-Studie 2016)

Größte Hürden bei der Digitalen Transformation (etventure-Studie 2016)

Kaum Fortschritte bei Digitalisierungs-Kernthemen

Der IT-Dienstleisters Unisys konnte in einer weiteren Studie die Konsequenzen beleuchten: 54 Prozent der Studienteilnehmer waren der Meinung, ihre Digitalisierungs-Strategie sei nur mittelmäßig erfolgreich. An erster Stelle stehen demnach eher das Upgraden von Ressourcen im IT-Bereich (65 Prozent) und die Erfüllung gestiegener Serviceanforderungen. Der Vice President Vision, Strategy und Enterprise Architecture bei Unisys, Dan Huberty, warnt vor weiteren Versäumnissen: „Digitale Geschäftsmodelle können ein mächtiges Tool sein, um auf einem gesättigten Markt die eigene Produktivität zu steigern und Wettbewerbsunterschiede herauszuarbeiten. Jedoch wird das Fenster immer enger, um hier noch die Initiative zu ergreifen.“

Einem Großteil der Unternehmen scheint hingegen kaum bewusst zu sein, dass die Zeit drängt: Bei der Entwicklung von Apps, Social Media, der Nutzung der Cloud und anderer Kernbereiche der Digitalisierung machten nur rund 20 Prozent der Unternehmen nach eigenen Angaben erhebliche Fortschritte – obwohl die Erkenntnis, dass es sich hier um den Schlüssel zum künftigen Erfolg handeln könnte, durchaus vorhanden ist. So wundert ein gewisser Pessimismus kaum: Mit Blick auf die kommenden 12 Monate gaben nur 41 Prozent der Befragten an, dass die IT-Infrastruktur den Aufgaben gewachsen sein wird. Auch bei den Fähigkeiten (40 Prozent) und der Sicherheit (39 Prozent) sieht nur eine Minderheit das eigene Unternehmen als gut gerüstet an.

Zur Zusammenarbeit von Startups und Großunternehmen (etventure-Studie 2016)

Zur Zusammenarbeit von Startups und Großunternehmen (etventure-Studie 2016)

Bei den Automotives stechen in Sachen Digitalisierung zwei OEMs hervor: VW richtet den Fokus auf die Digitalisierung und Daimler ist laut einer automotiveIT-Studie Digitalisierungsmeister. Ach so, wer tiefer in die etventure-Studie einsteigen möchte, hier die Kontaktdaten: digitalisierung@etventure.com (nette Adresse) oder +49 30 28041747. Detaillierte Ergebnisse der Studie „Digitale Transformation und Zusammenarbeit mit Startups in Großunternehmen“ können auch als E-Paper angefordert werden.

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