Nissan Leaf: Wie viel Kontrolle verträgt der Mensch?

Nissan braucht Ihre Daten für die Entwicklung neuer Apps (Quelle: Nissan)

Nissan braucht Ihre Daten für die Entwicklung neuer Apps (Nissan)

Die Menschheit befindet sich in der Übergangsphase zwischen dem Leben wie wir es seit tausenden von Jahren kannten und dem modernen, vernetzten Leben, das weitestgehend online stattfindet. Dieser Übergang ist noch für viele unbehaglich und aufgrund des Favorisieren einer nicht-realen Welt mit einem Gefühl des Unwohlseins und des Misstrauens verbunden. Auch die Automotive Branche bleibt seit der immer stärker werdenden Vernetzung nicht von dieser Entwicklung verschont.

 

Täglich wird berichtet, dass eine Website, ein Facebook- , Twitter- oder Email-Account Opfer eines Hackerangriffs wurde. Türen werden in der vernetzten Welt nicht nur gebetenen Gästen geöffnet. Genau das schürt Ängste. Der etwas wackelige Übergang in die starke Gewichtung der virtuellen Welt lässt die Frage des ausreichenden Schutzes noch vage beantwortet. Doch ist zu betonen, dass es noch eines weiten Weges bedarf, bis Hackerangriffe und Ähnliches tatsächlichen Schaden anrichten können. Viel präsenter sind jedoch andere Probleme der Vernetzung.

Nissan Carwings Telematiksystem verbindet mit Nissan Carwings Data Center (Quelle: Nissan)

Nissan Carwings Telematiksystem verbindet mit Nissan Carwings Data Center (Nissan)

Zum Beispiel der Automobilhersteller Nissan, der mit seinem Nissan Leaf die Grauzonen der Problematik der vernetzten Welt ganz klar berührt. Die angepriesene „einzigartige Kommunikation“ zwischen dem Fahrzeug und seinem Fahrer arbeitet mit dem intelligenten Nissan Carwings Telematiksystem. Dieses ermöglicht die Kontrolle des Batteriezustands per Smartphone oder PC, die Aufladung des Akkus zu programmieren, im Winter vorzuheizen im Sommer zu kühlen, vor allem aber verbindet es die Steuereinheit des Nissan Leaf mit dem Nissan Carwings Data Center. Das bedeutet Nissan nutzt die Daten seiner Autofahrer und braucht diese auch.

„Die Telematiklösung von Telenor Connexion verbindet die Steuereinheit des Nissan Leaf mit dem Nissan Carwings Data Center. Damit ist sichergestellt, dass wir unseren Kunden ein sicheres und zuverlässiges Produkt anbieten können“, so Pierre Loing, Nissan Vicepresident für Produktstrategie und Produktplanung und Chef des europäischen Geschäftsbereichs „Zero Emission“ zum Feature des Nissan Leaf. Am Auto des Jahres 2011 arbeitete Telenor Connexion mit und macht sich damit, gemeinsam mit Nissan, zu einem der Pioniere der „emissionsfreien Mobilität“, wie CEO Per Simonsen es ausdrückt.

Steuerung über das Smartphone (Quelle: Nissan)

Steuerung über das Smartphone (Nissan)

Dieses Telematiksystem ist aber auch einfach auszuschalten. Doch genau das möchte der japanische Automobilhersteller eben nicht! Denn die persönlichen Daten werden benötigt und zwar für die Entwicklung neuer Apps. Die Gründe für die Nutzung der Lokalisierung hat einen ganz einfachen Grund: die Apps, die heutzutage am Besten laufen sind die die mit lokalem Hintergrund, die beispielsweise ein Restaurant vorschlagen oder die nächstbeste Shoppinggelegenheit orten.

Genau dafür braucht Nissan die Daten der Autofahrer und zwar so viele wie möglich. Die Frage ist nur, werden die Nissan Fahrer einfach so zustimmen und das Telematiksystem laufen lassen? Oder werden sie sich ganz klar dagegen entscheiden, weil genau diese Daten bei all dem Fortschritt persönlich bleiben sollen. Wie viel Kontrolle verträgt der Mensch? Was würden Sie tun?

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Amelita Silea

Über Amelita Silea

Amelita Silea studiert Europäische Literaturen an der Humboldt Universität zu Berlin. Sie kommt aus der Kunst und Kultur „Ecke“ (Arbeit am Theater, Lyrisches Schaffen, Studium der Kunstgeschichte und Russischen Literatur). Bei Blogomotive ist Amelita zuständig für „Social Media“ und journalistische Arbeiten.