Sechs OEMs bekennen Farbe: Fahren in der Stadt muss sich von Grund auf ändern.

Sicher, sparsam, menschlich: Fahren in der Innenstadt bekommt wieder Perspektive. (Foto Verbundprojekt UR:BAN)

2009 legte BMW mit AMULETT („Aktive mobile Unfallvermeidung und Unfallfolgenminderung durch kooperative Erfassungs- und Tracking-Technologie“) den Grundstein für ein Thema, das jetzt herstellerübergreifend Fahrt aufnimmt: Audi, BMW, Daimler, Opel, VW sowie MAN widmen sich der Weiterentwicklung des städtischen Verkehrs…

Jeder, der in einer Großstadt arbeitet, kennt das Gefühl morgens auf einer Hauptverkehrsstraße zu stehen: die ausgeschilderten 50 km/h wirken geradezu ironisch, Schrittgeschwindigkeit ist angesagt. Und als wäre Stop-and-Go nicht schon anstrengend genug, schlängeln sich auch noch die Fahrradfahrer zwischen den Autos zu ihrem Ziel. Richtig anstrengend kann das Ganze werden, wenn eine Schule oder ein Kindergarten auf der Strecke liegt: schon zweimal ist mir ein Steppke fast vors Auto gelaufen!

In Zeiten, in denen Städte stark wachsen und der Verkehr zunimmt, zeigt unser jetziges Verkehrssystem vermehrt seine Schwächen. Das Verbundprojekt UR:BAN (Urbaner Raum: Benutzergerechte Assistenzsysteme und Netzmanagement) hat es sich zum Ziel gesetzt, ein innovatives Fahrerassistenz- und Verkehrsmanagementsystem für die neue Generation des Städteverkehrs zu entwickeln. Das klingt verkopft, ist aber eigentlich ganz simpel: Fahren in der Stadt soll zukunftsfähig werden, und das heißt sicher, wirtschaftlich und energieeffizient , vorausschauend und stressfrei.

Insgesamt 30 Partner aus der Automobil- und Zulieferindustrie, Elektronik-, Kommunikations- und Softwarefirmen, Universitäten sowie Forschungsinstitute und Städte bilden das umfassende Team, das drei Projekte realisiert: „Kognitive Assistenz“, „Vernetztes Verkehrssystem“ und „Mensch im Verkehr“.

Im Fokus von „kognitiver Assistenz“ steht das Thema Sicherheit. „Wir wollen den Fahrer mit hochauflösender Sensorik in einem weiten Erfassungsbereich rechtzeitig auf Gefahren aufmerksam machen und bei der Reaktion unterstützen, um auch in Ballungsräumen die Zahl und Schwere der Unfälle zu reduzieren.“, so Dr. Peter Zahn, Projektleiter UR:BAN bei der BMW Forschung und Technik GmbH.

Im Gegensatz zu Autobahnen oder Landstraßen, auf denen meine Sicherheit durch die derzeitigen Fahrerassistenzsysteme erhöht wird, teile ich mir die innerstädtischen Straßen mit schwächeren Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern oder Fahrradfahrern. Diese sind in ihrer Bewegung flexibler und somit unberechenbarer.

Die BMW Forschung und Technik GmbH entwickelt in diesem Zusammenhang ein Assistenzsystem zur Umgebungserfassung und Situationsmodellierung, das die Zuverlässigkeit von Brems- und Lenkreaktionen optimiert. Damit hilft mir mein Fahrzeug, kritische Situationen besser bewerten zu können oder sogar Gefahrenquelle überhaupt erst zu erkennen.

Das zweite UR:BAN Projekt „Vernetztes Verkehrssystem“ befasst sich mit Verkehrseffizienz. Vernetzte Systeme sollen Echtzeitinformationen über beispielsweise Ampelschaltungen, Fahrzeugdichte oder besondere Situationen erfassen und damit dem Fahrer ein vorausschauendes Fahren ermöglichen. Neben den zukünftigen Antriebskonzepten, Elektro- und Hybridantried, soll das energieeffiziente Fahren eine Senkung des Emissionsausstoßes erzielen.

Während die ersten beiden Projekte „Kognitive Assistenz“ und „Vernetztes Fahren“ auch Gegenstand des Car-2-X Feldversuches von simTD sind, befasst sich das dritte UR:BAN Projekt „Mensch im Verkehr“ mit einem völlig neuen Thema.

Assistenzsysteme sind mit Sicherheit eine große Unterstützung für jeden Fahrer. Allerdings wird wohl jeder schon einmal den Gedanken des Kontrollverlustes in diesem Zusammenhang gehabt haben. Letztendlich sollte doch der Fahrer die letzte Entscheidungsmacht im Fahrzeug haben. Im Teilprojekt „Kontrollierbarkeit“ befasst sich daher die BMW AG und die BMW Forschung und Technik GmbH gemeinsam mit Hochschulpartnern und Forschungsinstituten mit Bewertungsmethoden, die ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen effektiver Unterstützung und eigener Kontrolle gewährleisten sollen. Unter anderem soll das Verständnis des Fahrzeugs sowohl für die Absichten des eigenen Fahrers als auch für die Absichten des anderen Fahrers verfeinert werden. Ein freundliches Vorlassen kann dann beispielsweise frühzeitig vom Fahrzeug erkannt und nicht als Missachtung der Verkehrsregeln gewertet werden.

Die Projektlaufzeit wurde zunächst auf vier Jahre mit einem Gesamtbudget von 80 Millionen Euro festgelegt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) stellt dabei rund 50 Prozent des Budgets.

Bei all den Aktivitäten rund ums intelligente, vernetzte Automobil glaube ich, dass es auch in Deutschland nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt, das autonome Fahrzeug…

[HSC]

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