Bringt Apple zuerst das iCar und dann iTV?

Apple Designstudie von Franco Grassi

Apple Designstudie von Franco Grassi. (Quelle: Apple)

Den Autor, Björn Eichstädt, habe ich auf einem sehr eindrucksvollen Vortrag beim SlashTalk von DoubleSlash kennengelernt. Und gleich zu einem Kennenlernen bei Daimler eingeladen. Björn ist Managing Partner der Storymaker Agentur für PR.
Ganz ungewöhnlich: Als studierte Neurobiologe kennt er sich mit „Denken“ in seiner Urform aus. Dieses Essay versucht zu analysieren, was Apple wohl als nächstes Großes plant. Auto oder TV?

 

 

 

Alle warteten auf einen Fernseher. Ein großes flaches Ding fürs Wohnzimmer. Oder wenigstens ein paar (oder viele) neue Apps für die kleine AppleTV-Box. Doch nichts davon bei der WWDC am Montag zu sehen. Stattdessen scheint Apple eher heimlich, still und leise einen ersten Schritt in Richtung iCar gemacht zu haben – mit einer ähnlichen Strategie wie bei der Aushöhlung des TV-Business.

Steve Jobs soll immer davon geträumt haben, irgendwann mal ein Apple-Auto zu bauen – entsprechend gibt es etliche Designstudien zu einem möglichen iCar. Ein Traum, der sehr an den angeblich „geknackten Code“ für das TV-Business erinnert. Und so wie beim Fernseher (der auch noch kommen wird, nur ohne Hast) scheint sich Apple langsam aber sicher als trojanisches Pferd an dieses Vorhaben heranzupirschen. Der in die Hardware integrierte Parasit soll „Eyes Free“ heißen und bald als Siri-Ansteuerung an den Lenkrädern von Fahrzeugen namhafter Automobilhersteller auftauchen.

iOS-Hardware bald integraler Bestandteil vieler Autos?

Ein möglicherweise genialer Schachzug Apples: Fest in die Hardware „Auto“ integriert, wird Apple-Hard- und Software so bald fast zwangsläufig zu bestimmten Automodellen gehören. Natürlich wird man dann nicht nur ein wenig mit Siri plaudern können (und zwar mit den Händen am Steuer, was Siri erstmals tatsächlich sinnvoll erscheinen lässt), man wird sein komplettes Auto-Entertainment-System über Apple-Geräte und –Programme steuern. Man wird das Autoradio durch iTunes oder Spotify ersetzen, sich Staus über iPhone-Apps ansagen lassen und von Siri neue Nachrichten aus Facebook, Twitter oder iMessage vorgelesen bekommen. Und schließlich vielleicht auch den aktuellen Benzinstand oder die demnächst anstehende Inspektion? Was läge näher!

Apple Designstudie von Franco Grassi

Apple Designstudie von Franco Grassi. (Quelle: Apple)

Ist es darüber hinaus ein Zufall, dass parallel mit der Ankündigung der weitreichenden Kooperation mit General Motors, BMW, Mercedes-Benz, Land Rover, Jaguar, Audi, Toyota, Chrysler und Honda auch noch die Ankündigung eines Apple-eigenen mobilen 3D-Kartensystems bei der WWDC für Wirbel sorgte? Eines Systems, das laut Apple von Grund auf neu aufgebaut wurde (mit vermutlich gigantischem Aufwand)? Und das sich wohl besser als Google Maps als Navigationssystem eignet – da auch Staumeldungen und Alternativroutenvorschläge integriert wurden? An das Sprachausgebende Navigationssystem im Auto sind die Menschen ja bereits gewöhnt. Siri sagt: „Biegen Sie in 500 Metern bitte rechts ab.“

Weitere Zukäufe könnten den Weg ebnen.

Die komplette digitale Innenausstattung des Autos wird Apple mit seinen weitreichenden Kooperationen also bald in der Hand haben können. Und in Zeiten des großen Umbruchs der Automobilbranche (man denke daran, dass ein Unternehmen wie Tesla von einem Digitalpionier wie Elon Musk aufgebaut wurde), des Wegs hin zu Elektroantrieben, ist wohl auch Apples Arbeit im Bereich der Optimierung von Batterieleistung nicht zu unterschätzen. Große Vorsprünge auf diesem Gebiet haben viele etablierte Automobilhersteller vermutlich nicht aufzuweisen. Das restliche Know-how lässt sich mit Apples Goldstücken im Geldspeicher wohl schnell akquirieren.

In Kürze könnte Apple beim Auto also so weit sein, wie aktuell beim Fernseher. Das Innenleben gehört dem Unternehmen aus Cupertino, ein wenig Hülle und Teilen den anderen Playern der Industrie. Wird das der Moment für den iCar sein, den Apple in wenigen Jahren auf den Markt bringen wird, um an die dann bereits erzielten Erfolge mit dem eigenen Fernseher anzuknüpfen? Wir wissen es nicht. Aber viele Puzzlesteine deuten daraufhin, dass das iCar-Projekt ganz oben auf der strategischen Zielliste von Apple steht. Denn das die größte Cash-Cow des Planeten bei ein paar netten Smartphones, Tablets und Laptops stehen bleiben will, das glaubt vermutlich niemand wirklich.

Björn Eichstädt

Björn Eichstädt (Foto Björn Eichstädt)

Der Autor Björn Eichstädt
Björn ist Managing Partner der Storymaker Agentur für Public Relations GmbH. Der 37-jährige Neurobiologe berät Unternehmen in der strategischen Entwicklung ihrer Technologie-, Online- und Social-Media-Kommunikation. Storymaker mit Sitz in Tübingen zählt IT- und technologieorientierte Fertigungsunternehmen zum Kundenstamm und hat eine Schwesterfirma in Peking. Mehr interessante Akrikel zu ähnlichen Themen bei t3n.

Volker Liedtke

Über Volker Liedtke

Volker Liedtke ist Interims-Manager und Berater für Digital Marketing. Bei Porsche beschleunigte er die Digitale Transformation der Unternehmenskommunikation. Bei Daimler verantwortete er den Aufbau des Mobile Marketing. Bei Audi relaunchte er das globale Markenportal www.audi.de. Bei GM/Opel entwickelte er die Cross Channel Strategie. Als Experte für Automotive Marketing ist er spezialisiert auf Digitale Transformation im Kommunikationsbereich. Mehr...

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