Magerkost. Audi’s neuer eKatalog für den Q3.

Audi eKatalog Q3 Home

Audi eKatalog Q3 Home (Foto Audi)

Mit dem eKatalog schlägt Audi ein neues Kapitel in der Verkaufsliteratur auf. Das Modell Q3 macht den Anfang. Die Startversion ist ein Schnellschuss und lässt den Wettbewerbern genug Platz für einen Überholvorgang.

Ich bin vorbelastet, was Audi betrifft. In meiner Zeit bei Audi als Edelsöldner für das aktuelle Markenportal, habe ich Kollegen, Marke, Fahrzeuge und Unternehmenskultur schätzen gelernt. Aber zu diesem Versuch, die gedruckte Modellbroschüre auf das iPad zu bringen sage ich: „Sorry Audi, das ist keine Audi-Qualität. Das ist wesentlich zu kurz gesprungen.“

Halten wir uns den möglichen Scope  und die Chancen des Projektes „Digitalisierung der Verkaufsliteratur“ vor Augen. Alleine die deutschen Hersteller drucken  jährlich ca. 60 Millionen Modellbroschüren. Jetzt hat man mit der digitalen Version auf den Tablet drei tollen Chancen: Erstens kann man die Möglichkeiten der Tablets ausnutzen und eine bessere Broschüre machen. Zweitens könnte man mit der eVersion Menschen erreichen, die kaum noch Papier in die Hand nehmen. Also junge Zielgruppen. Und drittens kann man Papier und Bäume durch einen ökologisch neutralen Download ersetzten. Das nenne ich mal ein sinnvolles Projekt.

Audi lässt die Möglichkeiten aber auf der Straße liegen. Klar, Audi ist einer der ersten Hersteller, die damit live gehen. Aber für den vollen Return on Investment benötigt man eine Topqualität. Und genau hier ist noch viel Spielraum für Verbesserung. Meine persönliche, unrecherchierte Meinung: Dieses Produkt kommt nicht aus der Truppe von Dieter Kopitzki, sondern aus der Literaturabteilung von Audi. Dieses Produkt ist ein Schnellschuss. Mit dem Seitenblick auf BMW und Mercedes-Benz war hier die Time to Market wichtiger als die Qualität. Sonst hätte Audi in dieses Produkt mehr Zeit und Energie investiert.

Schauen wir uns die „Lit App“ im Detail an. (Das Thema ist so neu, dass es noch keinen festen Namen dafür gibt.) Wer anderer Meinung ist, der meldet sich bitte. Entweder hier oder auf der Blogomotive-Seite auf Facebook.

Fakten
Als erstes Modell geht der Audi Q3 eKatalog an den Start. Die 101 MB schwere App verfügt über die gleichen Inhalte wie das Printprodukt – und noch mehr. Eingebunden sind ein Farbkonfigurator und ein interaktiver Lichtwechsler. Der Audi Q3 eKatalog startet zunächst in deutscher Ausführung. In Kürze ist er auch auf Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch verfügbar. eKataloge für weitere Modelle sind in Planung.

Verbesserungspotenzial 1: Berücksichtigung der Android-Plattform
Warum gibt es die App nur für das iPad? Wo bleiben bei diesen Überlegungen die Nutzer der Android-Tablets deren Marktanteil schon jetzt um die 30 % beträgt? Und deren Bedeutung in Zukunft weiter steigen dürfte? Bitte nicht vergessen: Dazu gesellt sich Mitte des Jahres in Deutschland das Kindle Fire als mögliche Device für die Literatur App.

Verbesserungspotenzial 2: Mehr Mehrwert
Die App schöpft die technischen Möglichkeiten der iPads viel zu wenig aus. Sie hat zu wenig interaktive Features und wird so den Anforderungen des Nutzers nicht gerecht werden. Zu den Anforderungen von Automobilkäufern an eine Literatur App gehören für mich:

  • Eine größere Informationstiefe als bei der gedruckten Version
  • Rich Media Content besonders bei den erklärungsbedürftigen Eigenschaften und Features
  • Infotainment, also Informationen gepaart mit einer ordentlichen Portion Unterhaltungswert
  • Ein Soft-Konfigurator mit Minimum drei Features (Lackfarbe, Felgen/Reifen und Innenraum)
  • Und der X-Factor, ein intelligenter Zusatz oder eine Überraschung, die die Kunden von dem zurzeit modernsten Medium einfach erwarten
Audi eKatalog Q3 assist

Audi eKatalog Q3 assist (Foto Audi)

Gutes Beispiel für diese verpasste Chance ist das Kapitel zu den Assistenzsystemen. Hier hätte man die Rich Media Fähigkeiten des iPad besser nutzen können, um diese erklärungsbedürftigen und aufpreispflichtigen Produkte dem Kunden näher bringen zu können. An Stelle dessen bekommt der Kunde zwei statische Bilder präsentiert. Dabei hätte Audi den Content für eine hochwertigere Präsentation der Features gehabt. Zum Beispiel aus dem CMS des stationären Internets.

 

 

Verbesserungspotenzial 3: Mehr Offline-Inhalte
Mehr ausgesuchte Inhalte offline statt online einbinden. Alle Filme benötigen eine bestehende Internetverbindung. Es ist verständlich, das Audi das Datenvolumen der App begrenzen möchte. Doch würde ich mir einige Inhalte auch offline wünschen. Ich sitze gerade im Flieger von Beijing nach Paris, und … tja … Fehlanzeige.

Verbesserungspotenzial 4: Mindestens ein Soft-Konfigurator anbieten
In der App lässt sich nur die Lackfarbe wechseln. Mittlerweile gehört es zum guten Ton bei ähnlichen Apps, mindestens einen Soft-Konfigurator einzubinden. Mit den Konfigurationsoptionen Lackfarbe, Felgen und Interieur.

Weitere Verbesserungspotenziale
Beim Analysieren der App sind mir noch weitere Details aufgefallen. Was den Eindruck des Schnellschusses verstärkt:

  • Die Statusanzeige und zum Beispiel der Button „Video abspielen“ wirken unplatziert.
  • Beim vertikalen Swipen hakt die App gerne mal. Zum Beispiel im Frame der Serien- und Sonderausstattung.
  • Auch das horizontale Swipen funktioniert in den scrollbaren Listen nicht zuverlässig (Serien- und Sonderausstattungen) oder gar nicht. Und das durchgängig in der ganzen App.
  • Die Bildergalerien sind ebenfalls wenig erfreulich. Das Verhalten beim horizontalen Swipen ist zappelig. Der Locator unter den Visuals springt bei der Bilderwahl hin und her.
  • Einige wichtige Informationen sind zu versteckt. Zum Beispiel die Textbox bei Audi exklusiv. Bei einem User Experience Test wäre das sicher aufgefallen.
Audi eKatalog Q3 drive select

Audi eKatalog Q3 drive select (Foto Audi)

Es verwirren komplett überflüssige Igelgrafiken wie z.B. bei der Vorstellung von Audi drive select. Braucht man wirklich einen Pfeil auf die geschlossene Motorhaube, um daneben „Motor“ zu schreiben? Hier wäre nett gewesen, wenn hier Inhalte aus dem Techlexikon gezogen würden. Auch die sind im CMS reichlich vorhanden.

 

 

 

Zu guter Letzt das beliebte Thema PKW-ENVKV. Also das Ausweisen der Effizienzklassen auf Kühlschrankart. Wie beim Smartphone-Portal bleibt Audi seiner Linie treu, und spendet der Richtlinie PKW-ENVKV auf den mobilen Kanälen weiter wenig Aufmerksamkeit. Im eKatalog verzichtet Audi jetzt ganz auf das Labeling. Mutig. Ich jedenfalls konnte kein einziges Label finden. Ihr?

Fazit
Die App ist eine Benchmark in Sachen Time to Market. Die Sache hat nur einen Haken: Weil Konzept, Leistungsumfang und handwerkliche Qualität nicht stimmen, kann Audi den First Mover Advantage nicht voll ausspielen. Ich erwarte in Kürze bessere Literatur Apps von den Wettbewerbern. Und eine baldige Nachbesserung von Audi bei diesem Produkt.

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